Wo beginnt Gewalt?

Präventionsunterricht an der Mittelschule

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Reisbach. (ob) Gewaltprävention in einer etwas anderen Unterrichtsform stand letzte Woche auf dem Stundenplan der beiden 7. Klassen der Maximus-von-Imhof-Mittelschule. Auf Vermittlung der Jugendsozialarbeiterin an der Schule Andrea Schmidt kam dazu Kerstin Dietzinger in die Klassen.

Sie ist Präventionsfachkraft am Landratsamt Dingolfing-Landau und setzte sich mit den Schülerinnen und Schülern mit dem Thema Gewalt aus unterschiedlichen Sichtweisen auseinander. Im Stuhlkreis oder bei kleinen Übungen wurden die Kinder dafür sensibel gemacht, dass sie nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf seelischer Ebene stattindet und somit viele Facetten aufweisen kann. Dazu errichtete die Referentin einen Strahl durch den Raum. An einem Ende stand die „Gewalt“, am andern „keine Gewalt.“ Nun konnten sich die Schüler anhand verschiedener Beispiele selbst positionieren, wie sie unterschiedliche  Situationen wahrnehmen und empfinden. Während sie sich bei körperlicher Gewalt relativ einig waren, gingen die Gefühle bei Beleidigung oder Schimpfen weiter auseinander. Vieles wurde ganz differenziert wahrgenommen, beispielsweise elterliche Kritik bei schlechten Noten.

Speziell das Thema Cybermobbing wurde etwas näher betrachtet, etwa, welche Auswirkungen es haben kann, wenn jemand aus der Gruppe ausgeschlossen wird. Aus aktuellem Anlass griff Kerstin Dietzinger die Vorkommnisse in Passau auf, wo ein Jugendlicher zu Tode getreten wurde. Dabei wurde an der Schule bereits Vorarbeit geleistet und das Thema aufgearbeitet. Bei Übungen zu Tätern und Opfern schlüpfte jeder in beide Rollen, um heraus zu finden, wie man sich fühlt, wenn man über eine Person Macht hat oder wenn man in die Opferrolle gedrängt wird. Wird in das private Feld eingedrungen und jemand bedroht, erweckt das negative Gefühle. Wenn sich die Opfer auch körperlich kleiner machen, wird diese Wahrnehmung noch verstärkt. An anschaulichen Beispielen erfuhren die Siebtklässler, wie sie schon im Vorfeld manche Situation entschärfen können, um nicht in diese Opferrolle zu geraten. Dazu gehört, sich körperlich groß zu machen und sicher aufzutreten, mit Gesten dem anderen entgegen zu treten, sich mit einem lauten „Stopp“ oder mit Hilfe-Rufen zu wehren.

Erörtert wurde auch, wie man sich mit bestimmten Handgriffen verteidigen kann. Hierzu bietet die Polizei gute Selbstverteidigungskurse an. Auch macht es Sinn, um Hilfe zu fragen. Generell ist der beste Weg, derlei Situationen zu meiden. Etwa, nicht im Dunkeln zu gehen, sondern beleuchtete Straßen zu nehmen und vielleicht während dessen zu telefonieren. Kerstin Dietzinger stellte auch den guten Kontakt mit der Schule heraus. Ihr persönlich bieten derlei Unterrichtsbesuche Gelegenheit, direkt an der Basis tätig zu werden. So kann sie erfahren, wie die Jugendlichen reagieren und arbeitet nicht an der Realität vorbei.

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Kerstin Dietzinger erarbeitete mit den Schülern das Thema Gewaltprävention.