„Des ist Wahnsinn, wo is denn nur die Zeit hin?“

Konrektorin Jutta Schätz wechselt in den Ruhestand

schaetz 04

Reisbach. (ob) Mit Jutta Schätz wechselt eine bei Schülern und Kollegen beliebte Lehrerin und Konrektorin nach 41 Dienstjahren, davon die letzten 15 Jahre in Reisbach, in den Ruhestand. Viel Sachverstand und Kompetenz, aber auch Gespür zeichneten sie aus, mit denen sie Kinder und Jugendliche mit „pädagogischer Liebe“ ins Erwachsensein begleitete. Eine herzliche Abschiedsfeier rückte ihr berufliches Lebenswerk in den Mittelpunkt und brachte deutlich zum Ausdruck, wie geschätzt sie an der Maximus-von-Imhof-Mittelschule war.

Für diese stimmige und stimmungsvolle Verabschiedung nahmen sich Schüler und Lehrkräfte ausreichend Zeit, als sie sich am Donnerstagvormittag in der Aula versammelten und mit rhythmischen Boomwhacker-Klängen von der Klasse 5b willkommen geheißen wurden. Die offizielle Begrüßung oblag Rektorin Martina Huber. Dabei brachten auch zahlreiche Ehrengäste ihre Verbundenheit und Wertschätzung zum Ausdruck. Neben der Geistlichkeit, Erster Bürgermeister Rolf-Peter Holzleitner, Simbachs Zweiter Bürgermeister Anton Sporrer, Altbürgermeister Sepp Steinberger, die Mitglieder des Elternbeirates mit Vorsitzenden Heinz Zach, der Vorsitzende des Fördervereins Andreas Steinberger, die Geschäftsstellenleiter der Sparkasse Thomas Prinz und der VR-Bank Thomas Wimmer, Schulamtsdirektor Stefan Pielmeier und andere mehr. Ein besonderer Gruß galt auch der Familie der Konrektorin, ehe zwei Schüler der Klasse 6a der Frage nachgingen „Why God made teachers“, verbunden mit einem „Thank you Mrs. Schätz for beeing our Teacher.“

Auch die Klassen 5a und 5b wollten Danke sagen „dass Sie für uns da waren“. Sie wünschten ihr Gesundheit und viel Spaß und sangen ein extra für sie getextetes Lied, das zur Laudatio des Schulamtsdirektors überleitete. Stefan Pielmeier würdigte die Person und das Amt in einer durchaus auch humorigen Rede, beginnend mit einem Rückblick auf den beruflichen Werdegang. Nach dem Studium der Erziehungswissenschaften und der Lehramtsprüfung 1977 wurde sie zur Lehramtsanwärterin ernannt. Ihre Dienstzeit begann in Parnkofen, 1978 die Zuweisung an die Hauptschule Reisbach, 1980 die Ernennung zur Lehrerin und 1982 der Wechsel an die Hauptschule Pilsting. Sie war erfolgreich Betreuungslehrerin für Lehramtsanwärter. 2003 erfolgte die Versetzung an die Hauptschule Reisbach mit der Betreuung der Aufgaben zur stellvertretenden Schulleitung und Beförderung zur Konrektorin. Im September 2017 konnte sie ihr 40-jährigens Dienstjubiläum feiern.

Ihre umfassenden pädagogischen und didaktischen Kenntnisse waren Grundlage für ein erfolgreiches Wirken als Lehrkraft. Mit kompetentem Unterricht bereitete sie Generationen von Schülern auf das Leben und den Beruf vor. Großes Verantwortungsbewusstsein und Engagement zeigte sie weit über das normale Maß hinaus. Ohne viel Aufhebens bearbeitete sie aktiv ihre Aufgaben und setzte viele Impulse zur Schulentwicklung und habe so den Lebensraum der Hauptschule Reisbach 15 Jahre prägend mitgestaltet. Sachverstand, Kompetenz und Geduld wurden zur Lösung von Problemen eingesetzt.

Der Redner suchte für die Anfangsbuchstaben „Jutta KR“ Attribute, die zu ihr passen und kam dabei auf Junggeblieben, unglaublich, tatkräftig zupackend, Teamarbeit, ausgeglichen, Konrektorin kurz vor dem Ruhestand. Er hatte eine „kompetenzorientierte Lernlandkarte zur Orientierung“ vorbereite, die allerhand Vorteile des Pensionistendaseins offenbarte. Sein Dank galt namens des staatlichen Schulamtes für alle Mühen und Erziehungsarbeit. Als pädagogisch anerkannte Kollegin könne sie zufrieden zurück blicken.

Auch die Klassensprecher nahmen Abschied. Humorvoll formulierte jeder gute Wünsche, die die künftige Ruheständlerin sozusagen mit je einer Rose entgegen nehmen durfte. Wie Erster Bürgermeister Rolf-Peter Holzleitner betonte, wäre es ihm lieb gewesen, er hätte Jutta Schätz selbst als Lehrerin gehabt, sicher hätte er sie im Herzen behalten. Seinen Dank für den Einsatz für die Schüler aus Simbach brachte Zweiter Bürgermeister Anton Sporrer zum Ausdruck. Er gab ihr den Spruch, der in der alten Simbacher Pfarrkirche zu lesen ist, mit auf den Weg: Benutz die Zeit zu Deinem Glück, es kehrt kein Augenblick zurück. Auch Heinz Zach stellte fest, dass die Konrektorin maßgeblich zur Erziehung der Kinder beigetragen habe. Der Werdegang des Fördervereins, 2011 gegründet, ist eng mit ihr verbunden, wie Erster Vorsitzender Andreas Steinberger aufzeigte. Zwischenzeitlich konnte man bereits 8500 Euro an die Schule weitergeben.

Der Klavierspielerin Margarethe Griesbach folgten Abschiedsgrüße von vier Schülern in ihrer Muttersprache Albanisch, Polnisch, Rumänisch und Arabisch, ehe ein bebilderter Rückblick manche Meilensteine von Jutta Schätz in einer ansprechenden Präsentation zeigte.

Was machte Jutta Schätz als Konrektorin, Lehrerin und Kollegin aus? Dieser Frage ging Rektorin Martina Huber auf den Grund. Sie vertrete ihren Standpunkt, ihre klare Meinung; prägte in ihrer Funktion die Entwicklung der Schule nach der Devise, dass man sie durch Jammern nicht nach vorne bringe. Probleme wurden als Herausforderungen angenommen, kurzum es sei ihre positive Grundhaltung. UNESCO-Projektschule, Schüleraustausch, drei Mal Evaluation, Organisation der Sprachpaten und anderes mehr wurden stellvertretend für ihren Einsatzbereich genannt. Sie plante Feste perfekt und war stets bemüht, die Mittelschule nach außen zu vertreten. Auch als Lehrerin war sie mit vollem Einsatz tätig. Sie habe ihre Schüler gemocht. Es war ihr eine Herzensangelegenheit, diese zu anständigen Menschen zu erziehen, was sie mit viel Gespür umsetzte. Persönlich dankte sie für ihre konstruktive Begleitung in ihrem ersten Jahr als Schulleitung. Sie habe all ihre Ideen mitgetragen. Nach dem gesanglichen Beitrag des Lehrerchores wartete auf die scheidende Kollegin eine Schatz- beziehungsweise eine „Schätzkiste,“ gefüllt mit Geschenken und persönlichen Wünschen. „Wir hoffen, das du die Mittelschule als einen Schatz mit in den nächsten Lebensabschnitt nimmst“, so die Rektorin.

Die letzte Ansprache hielt die scheidende Lehrerin. Um ihr den Abschied zu erleichtern, wollte sie eine Negativliste bezüglich ihres Berufslebens schreiben. Allerdings fiel ihr nichts ein. Vier Jahrzehnte Dienstzeit, sechs Kultusminister, fünf zuständige Schulräte, acht Rektoren, das Unterrichten nach vier verschiedenen Lehrplänen und die Zahl von rund 1000 Schülern zeigte die Bilanz auf. Verglichen mit der Schule von heute habe sich zu ihren Anfängen vieles geändert. Damals hatte Schule mit Berufswahl nicht viel zu tun. Man war relativ einfach organisiert. Heute stehe der Mittelschule ein multiprofessionelles Team zur Seite. In Erinnerung werden ihr vor allem die Menschen bleiben, wobei sie auch an jene Schüler dachte, die durch ihre „kreativen Verhaltensweisen“ auffielen. Heute sei die junge Generation anders, weil die Zeiten andere sind. Sie habe immer gerne mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet und ihre Berufswahl nie bereut. Sie versuchte, nicht nur Wissensvermittlerin, sondern Ratgeberin und Wegweiserin zu sein. Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen war ihr stets wichtig. Ihre Stelle als Konrektorin, so berichtete sie, werde nicht mehr nachbesetzt. Doch Lehrer Konrad Bachmeier stehe Martina Huber als stellvertretender Schulleiter unterstützend zur Seite. Ein Dank richtete sich an die gesamte Schulfamilie und alle weiteren Kräfte, auch außerhalb des Hauses, für die ausgezeichnete Zusammenarbeit. „Es gibt keine Negativliste. Es bleiben Begegnungen mit Menschen und Ereignisse, auf die ich gerne zurück blicke.“ Mit dem Lied „Auf uns“ beendete der Schülerchor die stimmige Abschiedsfeier.

schaetz 05 
 Die Klasse 5b eröffnete mit Boomwhackers das Programm.
 schaetz 02
 Die Grußwortredner und Rektorin Martina Huber würdigten die Leistungen der scheidenden Lehrkraft.
 schaetz 03
 Gute Wünsche und Rosen hatten die Klassensprecher für Jutta Schätz.
 schaetz 01
 Der Lehrerchor verabschiedete die Kollegin musikalisch.
schaetz 04
Stefan Pielmeier zeigte den Werdegang der Konrektorin und dankte für ihren erbrachten Einsatz.