Warum wir Streuobst brauchen

 Achtklässler erlebten einen Unterricht mit allen Sinnen

 Streuobstwiese

Reisbach/Englmannsberg. (ob) Die hohe Bedeutung der Streuobstflächen wird in aller Regel verkannt und unterschätzt. Dabei übernehmen sie unter anderem eine wichtige Aufgabe im Ressourcenschutz und stellen einen Lebensraum für 6000 Tier- und Pflanzenarten dar. Dies nur zwei Fakten, warum man sich dieses wertvolle Kleinod ruhig ein wenig genauer anschauen sollte.

Genau das tat die Fachgruppe Soziales der 8. Klassen der Maximus-von-Imhof-Mittelschule. Die Schülerinnen und Schüler machten sich mit Fachlehrerin Nicole Schreiber am Mittwoch auf den Weg zur Englmannsberger Streuobstwiese, die vom örtlichen Gartenbauverein gepflegt wird. Dabei schaute auch Erster Bürgermeister Rolf-Peter Holzleitner im „grünen Klassenzimmer“ vorbei. Hier erwarteten sie bereits die Kräuterpädagogin und eingetragene Streuobstführerin Christine Aigner und Manuela Lorenz, angehende Streuobstpädagogin, zu einem „Unterricht“ mit allen Sinnen. Dahinter steckt eine Initiative der Landesanstalt für Landwirtschaft, wobei die Aktion Streuobst Schulwochen noch bis Mitte Oktober läuft.

Begrüßt wurden die Schülerinnen und Schüler von der Ersten Vorsitzenden des Gartenbauvereins Maria Kohlschmid im Beisein weiterer Vorstandsmitglieder. Sie stellte die Streuobstwiese am Ortseingang kurz vor, ehe die Jugendlichen zur Einführung zu einem Spiel eingeladen waren, das verdeutlichte, dass auf dieser Fläche alle Komponenten und Lebewesen miteinander verbunden sind: Erde, Luft, Insekten, Säugetiere und Pflanzen. Fällt ein Faktor weg, hat das weitreichende Ausmaße. Das Insektensterben, derzeit in aller Munde, hat letztlich auch Auswirkungen über die Nahrungskette bis hin zum Menschen. Der Artenreichtum ist sehr hoch, weshalb das Biotop geschützt werden sollte. Es ist nicht nur Wiese und nicht zur Wald.

Verschiedene Aktionen prägten diese Exkursion. Da ergründet man mit Manuela Lorenz, was man im Herbst auf der Streuobstwiese alles tun kann, verkostete die Äpfel und stellte fest, dass sie alle in Geschmack, Konsistenz und Aussehen unterschiedlich sind. Manche haben Flecken, andere sind eingedrückt. Aber das Geschmacksspektrum ist viel größer als das jener Äpfel, die im Supermarkt angeboten werden. Die Streuobstwiese ist ein Reservat, weil hier noch alte Sorten wachsen, die vielleicht auch Allergikern zugute kommen. Und sie sind meist unbehandelt und haben einen hohen Gehalt an gesundheitsfördernden, sekundären Pflanzenstoffen. Zugleich ist der Artenreichtum, der hier beheimatet ist, schützenswert. Ein häufiger Gast ist auch der Igel, wobei Manuela Lorenz sogar einen dieser stacheligen Vertreter, den sie in Bälde auswildert, dabei hatte. Im abgestorbenen Holz, zu einem Haufen aufgeschichtet, findet er Unterschlupf, wobei das Totholz auch Insekten von Nutzen ist.

Christine Aigner presste mit einer kleinen Handpresse den Saft aus einem Apfel, um zu zeigen, wie viel Flüssigkeit aus einer Frucht gewonnen wird. Die Achtklässler durften einen Apfelschaltentee probieren, ebenso eine Girschlimonade, hergestellt auf der Basis von Apfelsaft. Die Kräuterpädagogin warf einen Blick auf die Wiese, die den Boden erhält und auf den Bodenaufbau. Dabei wachsen hier viele Wildkräuter, die sich zugleich kulinarisch nutzen lassen. Löwenzahn, Schafgarbe, Gundermann, Klee, Spitzwegerich, Labkraut und vieles mehr stellte die Fachfrau vor und wurden auf Brot serviert.

Diese und viele weitere positiven Komponenten vom Schutz vor Bodenerosion bis hin zum Erholungsaspekt für den Menschen wurden den Schülern während dieser Unterrichtsstunde auf anschauliche Weise näher gebracht.

 Streuobstw

Die Schülerinnen und Schüler wurden für die Bedeutung von Streuobstwiesen sensibel gemacht.