„Papa hat sogar das Lachen verlernt“

Kinderbuchautorin Claudia Gliemann auf AOK-Lesetour

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Reisbach. (ob) Ganz gespannt hörten die Schülerinnen und Schüler zu, als Claudia Gliemann zu lesen und zu singen begann. Eine Geschichte mit Tiefgang steckte hinter dem Titel ihres Buches „Papas Seele hat Schnupfen“. Thematisiert wird dabei die oftmals in der Gesellschaft tot geschwiegene Krankheit der Depression. Claudia Gliemann ist Kinderbuchautorin und war im Rahmen der AOK-Lesetour am Mittwoch an der Maximus-von-Imhof-Mittelschule zu Gast.


Hier erlebten die Klassen 5a, 6a und 6b sowie die 4. Klasse der Grundschule Simbach jeweils eine außergewöhnliche Stunde. Die „Geschichtenschreiberin“ kam auf Einladung der AOK-Direktion Straubing-Bogen/Dingolfing-Landau und wurde von Andrea Götz, Ansprechpartnerin für Selbsthilfe von der AOK Straubing begleitet. Dass ihre Arbeit qualitativ hochwertig ist, unterstreichen auch die verschiedenen Auszeichnungen, die sie für besagtes Buch entgegen nehmen durfte. Dabei ist sie besonders stolz auf den Preis der Frankfurter Buchmesse.


Der Kontakt zwischen dem Gast und den Kindern war schnell hergestellt. „Wie heiße ich, warum bin ich hier?“ Diese und andere einleitende Fragen konnten die Zuhörer gut vorbereitet beantworten. „Ich bin Autorin. Ich schreibe gern, habe viele Ideen und mache gerne Musik.“ Aber sie könne nicht besonders gut malen. Deshalb bekommt sie bei der Illustration ihrer Bücher professionelle Unterstützung. Auch zu „Papas Seele hat Schnupfen“ hat sie eine Vielzahl von Zeichnung mitgebracht, die ihre Erzählung an die Wand projeziert begleiteten. Zugleich wurde aus der Verlosung eine musikalische Reise, nachdem Claudia Gliemann etliche einfühlsame Lieder zu dem Buch schrieb, die sie mit Gitarrenbegleitung in ihre Ausführungen mit einbaute.


Depression ist eine Erkrankung, die jeden treffen kann, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Berufsstand. Aber wie erkennt man sie und wie gehen Betroffene und Angehörigen damit um? Denn die Erkrankung betrifft immer die ganze Familie. Oft stehen Angehörige dem Thema hilfslos gegenüber. Das Buch befasst sich mit dem Thema „psychische Erkrankung in der Familie“ und hilft, der Depression ihren Schrecken und bitteren Beigeschmack zu nehmen. Mit der musikalischen Lesung tauchten die Schülerinnen und Schüler mit Claudia Gliemann in die Welt des Zirkus des Protagonisten Nele ein. Dabei stellte sie eine Welt mit starken Männern, verwegenen Dompteuren und todesmutigen Hochseilartisten vor. Personen, die von Kindern bewundert werden. Und dass gerade so ein mutiger Mensch wie Neles Vater Schwäche und Angst zeigt, hilft den Kindern sehr. Es veranschaulicht ihnen, dass sie sich nicht dafür schämen müssen, wenn ein Papa zeitweise schwach ist.


Neles Zuhause ist der Zirkus. Ihre Familie zählt zu den besten Seilartisten der Welt. Schon seit Generationen. Doch dann wird Neles Papa krank. Seine Seele bekommt Schnupfen. Und das in einer Welt, in der alles bunt und fröhlich ist und man eigentlich glücklich sein könnte.
Neles Papa, der immer so stark war, wird schwach. Vor Neles Augen – und vor den Augen der ganzen Welt. Nele schämt sich für ihren Papa. Sie ist wütend. Er tut ihr leid, und sie fragt sich, was wohl ihre Freunde denken und ob sie sie noch mögen werden. In ihre heile Welt ziehen Schatten ein. Sie hat viele Fragen, auf die sie keine Antworten weiß. Ihre Mama will sie nicht fragen, weil sie auch schon so traurig ist. Oma und Opa sind weit weg. Zum Glück gibt es den Dummen August, der Nele erklärt, warum ihr Papa so traurig ist und dass auch die Seele Schnupfen haben kann und dass alles seine Zeit braucht.


Im Anschluss an die Lesung bestand Gelegenheit zur gegenseitigen Fragenstellung und so lernten die Schülerinnen und Schüler auch noch allerhand über die Autorin. Zum Abschluss waren sie eingeladen, ihr eigenes Buch zu entwerfen. Hinter der Aktion steckt auch ein Schulkonzept, weshalb die Schule neben einem Buch eine CD und Arbeitsmaterial erhielt. So kann man sich im Unterricht mit dem Thema Depression oder allgemein psychische Erkrankung intensiver auseinander setzen. Aus Sicht von Andrea Götz wird darüber viel zu wenig gesprochen. Dabei sei es der AOK sehr wichtig, mit der Aufklärung bereits bei den Kindern anzufangen.

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Claudia Gliemann „fesselte“ ihre Zuhörer wie hier die Klasse 5a.