Wo der Spaß aufhört

Suchtprävention in der Schule: Stärke zeigen und selbstbewusst gegen Drogen

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Reisbach. (ob) Einen ganzen Vormittag beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse  8a der Maximus-von-Imhof-Mittelschule am Freitag mit der Suchtprävention. Das Thema wird im Fach PCB behandelt und soll die Heranwachsenden für diese Gefahren sensibilisieren. Dabei wird es nicht nur während des Unterrichts aufgearbeitet. Klassenlehrerin Alexandra Thalhammer konnte hierfür Fachleute gewinnen, die die Problematik aus zwei völlig verschiedenen Blickwinkeln durchleuchteten. So bekam die Klasse Besuch von der Polizei. Jugend- und Schulverbindungsbeamter PHK Konrad Stöger und POW Thomas Frischmann gingen in ihrem Vortrag sowohl auf die „legalen Drogen“ wie Alkohol und Nikotin ein, aber auch illegale Drogen und deren Wirksamkeit kamen zur Sprache.

So wurden die Schüler daran erinnert, dass das Rauchen in der Öffentlichkeit erst ab 18 Jahren erlaubt sei und sie gut beraten wären, gleich gar nicht dem kostspieligen Laster zu frönen. Bei nur zehn Zigaretten am Tag kommen im Jahr schnell über 1.000 Euro zusammen, die ein Raucher förmlich „in die Luft bläst“. Auch Alkohol sollte für die Jugendlichen nach Möglichkeit tabu sein und den meisten war auch bekannt, dass Bier und Wein erst an Jugendliche ab 16 Jahren verkauft werden darf. Schnaps, Wodka und andere branntweinhaltige Getränke wie Alcopops dürfen erst an volljährige Personen (ab 18 Jahre) abgegeben werden.

Anhand vieler Beispiele schilderte der Polizist den aufmerksamen Zuhörern, dass oftmals übermäßiger Alkoholkonsum so manchem Jugendlichen große Schwierigkeiten und eine Anklage beim Jugendrichter einbrachte. Der Referent warnte auch davor, die sogenannte „weiche Droge“ Marihuana zu verharmlosen, zumal bekanntlich schon der Besitz geringster Mengen nach dem Betäubungsmittelgesetz unter Strafe gestellt werde. In Verbindung mit dem Führen von Kraftfahrzeugen setzen die Konsumenten sogar ihre Fahrerlaubnis aufs Spiel und müssen zudem mit einem saftigen Bußgeld oder sogar Strafbefehl rechnen.

Zur Sprache kamen weitere verbotene Drogen wie Ecstasy, LSD, Kokain, Crystal Speed und Heroin, wobei hier die Zahl dieser Drogenabhängigen im Gegensatz zum rapiden Cannabis-Anstieg in den letzten Jahren in etwa stagniere. Auch auf die sogenannten „Legal Highs“ sollten die Jugendlichen keinesfalls hereinfallen, da deren zumeist nicht genau deklarierten chemische Wirkstoffe ebenfalls extrem gesundheitsgefährdend einzustufen seien und die Einnahme der Substanzen sogar schon in manchen Fällen zum Tode führte.

Mit kurzen Filmbeispielen sensibilisierte der Präventionsbeamte die Schüler, dass es ein Zeichen von Stärke sei, wenn man den Drogen entsagt, zumal man drogenfrei deutlich mehr an Lebensqualität genießen kann. Anschließend versammelten sich die Schülerinnen und Schüler im Stuhlkreis, um den eindrucksvollen Ausführungen von Gabi Salzberger zu folgen. Sie ist trockene Alkoholikerin seit über 22 Jahren, fand mit 17 den Einstieg in den Alkohol und mit 22 Jahren den schnellen Weg in die Abhängigkeit, wobei sie acht exzessive Jahre durchlebte. Wie die jungen Zuhörer später erfuhren, trank sie nur auswärts, teils bis zu einer Flasche Schnaps am Tag. Aber, nachdem sie nebenberuflich als Bedienung ungehindert und regelmäßig Zugriff auf diese Droge hatte, fiel es ihr nicht schwer, sie zu konsumieren. Es waren negative einschneidende Erlebnisse und Verlustängste, die sie zu diesem Schritt führten und der Alkohol half ihr, schmerzhafte Gefühle zu verdrängen und zuzudecken. Erst der zweite Führerschein-Entzug mit 2,1 Promille brachte sie in die Spur, intensiv über ihr Leben nachzudenken. Mit eisernem Willen konnte sie den Teufelskreis durchbrechen und auch auf vielen Kreuzbund-Seminaren und Veranstaltungen lernen, ihr Suchtverhalten zu verstehen. Auf den Weg brachte sie damals die Suchtberatung am Landratsamt Dingolfing mit Uschi Vogginger und maßgeblich gab ihr die Gruppe des Kreuzbundes in Landau, für den sie heute noch aktiv ist, Rückhalt. Das und noch vieles mehr, was die Schülerinnen und Schüler interessierte, erzählte Gabi Salzberger freimütig.

Zunächst jedoch machte sie die Achtklässler mit einer „Suchtstraße“, die sie im Stuhlkreis aufgebaut hatte, sensibel für die Problematik und dabei wurde viel auf Gefühlsebene gearbeitet. Es wurde hinterfragt, wo der Spaß am Alkohol anfängt, sich schleichend fortsetzt und so die tatsächlichen Probleme beginnen, wo aus Gewöhnung also Missbrauch wird und Abhängigkeit beginnt.

Dabei kann sich schon aus Alltagssituationen heraus diese Gefahr abzeichnen. Dazu wurden Bilder zugeordnet und man vertiefte in verschiedenen Gruppenarbeiten und auch in einem Rollenspiel die Thematik. So versuchte Gabi Salzberger, die junge Generation für das Thema zu sensibilisieren und ermahnte sie zur Vorsicht und zum Selbstbewusstsein. Als kleinen Anker gab es für jeden Steine, symbolisch bemalt mit einer Abwärtsspirale und mit einem Herzen, denn die Jugendlichen sollten in ihrem Leben so oft es geht auf die Stimme ihres Herzens hören und wissen, dass sie niemals alleine ihre Probleme lösen müssen, sondern es viele Hilfsangebote gibt. Sie dankte allen, dass sie so toll und aktiv mitgearbeitet und so ehrlich über ihre Gefühle und Erlebnisse gesprochen haben. In der Klasse 8b findet die Suchtprävention am Freitag statt.


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Die Schülerinnen und Schüler wurden von Polizisten über Drogen aufgeklärt.

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Gabi Salzberger erörterte eindrucksvoll ihren Weg in und aus der Sucht