Kinder müssen geschützt werden

Elternabend der Grund- und Mittelschule über die Gefahren des Internets

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Reisbach. (ob) Vor den Gefahren des Internets kann nicht häufig genug gewarnt werden. Gerade viele Kinder und Jugendliche unterschätzen diese nicht selten zu blauäugig. Als die Grund- und die Mittelschule am Montag gemeinsam zu einem Elternabend zum Thema eingeladen hatten, war das Interesse groß. Stellvertretend begrüßte die Konrektorin der Grundschule Sandra Schütz die Teilnehmer in der Aula der Mittelschule und stellte ihnen Jürgen Wolf vor. Der medienpädagogisch-informationstechnischer Berater (MIB) am Schulamt Dingolfing-Landau startete seine Ausführungen mit einem kleinen Film mit dem Aufruf an die Eltern: „Im wirklichen Leben würden Sie ihre Kinder schützen, dann machen Sie es auch im Internet.“

Das Thema umfasse eine große Bandbreite. Statistiken besagen, dass Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren bereits Handy, Smartphone und Spielekonsolen konsumieren. Die geschätzte Dauer der Zwei- bis Dreijährig vor dem Fernseher liege im Schnitt täglich bei 34 Minuten. Bei den Sechs- bis 13-jährigen dominiere das Handy und etwa ab der dritten Klasse haben sie ein eigenes. 94 Prozent der Zwölf- und 13-jährigen nutzen täglich das Internet. Die tägliche Online-Nutzung steige generell jährlich an.

Dabei konnte der Referent nur auf die 3-6-9-12-Regel verweisen: Keine Bildschirmmedien unter drei Jahren, keine eigene Spielekonsole vor sechs Jahren, kein Handy oder Smartphone vor neun Jahren, keine unbeaufsichtigte Internetnutzung vor zwölf Jahren. Er verwies auf allerhand Möglichkeiten, ungewollt zahlen zu müssen, wozu er beispielhaft „Marias Kochbuch“ brachte. Wer von dieser Internetseite Bilder herunterlade und weiter verschicke, bekomme eine Abmahnung von rund 700 Euro pro Bild. Ebenso schnell gerate man in eine Abofalle, durch unbeabsichtigte Klicks abgeschlossen. Dabei komme oft auch der „Taschengeldparagraf“ (Par. 110 BGB) zum Tragen, wonach Jugendliche in einem gewissen Rahmen bereits Geschäfte abschließen können und dafür zur Kasse gebeten werden. Gewarnt wurde vor illegalen Filmdiensten oder davor, dass man bei Suchmaschinen wie Google, die sich über Werbung finanzieren, durchaus auf Seiten gelange, die so nicht geplant waren.

Im Übrigen landen sämtliche Surfer von Google irgendwo in Amerika. Jürgen Wolf zeigte noch eine Reihe weiterer „Fallen“ auf: Fakeshops, Produktpiraterie, Plagiate, vor allem bei eBay. Auch die pornografischen Internetseiten seien Kindern bekannt. So gebe es Seiten, wo sich die User mittels Kamera gegenseitig beim Befriedigen zusehen. E-Mail-Angriffe und PayPal-Betrug sei keinesfalls auszuschließen, ebenso wenig Cyber-Mobbing, wozu auch Facebook als Plattform genutzt werde. Das gehe bis zur Verletzung der Menschenwürde. Derlei passiere auch in Niederbayern, wie konkrete Beispiele aufzeigten.

Auch auf den Fall Amanda Todd, das 16-jährigen Mädchen, das sich das Leben nahm, weile es gemobbt wurde, wurde verwiesen. Den Eltern wurde ans Herz gelegt, sich und die Kinder zu schützen. Dabei sollten bei WhatsApp-Gruppen in Schule und Vereinen die Erlaubnis der Eltern eingeholt werden. Es sollte allen bewusst sein, dass man erst ab 16 Jahren WhatsApp nutzen dürfe. Zugleich empfahl der Beratungsrektor, die Sicherheitseinstellungen zu aktivieren. Die Eltern wurden aufgeklärt, wie man Spielesucht und Internetsucht erkennt und erhielten Anregungen, wie man den Konsum elektronischer Gerät der Kinder beschränken kann.

Als konkrete Tipps gab der Referent unter anderem weiter, den PC mit „Ashampoo Spectre Meltdown CPU Checker“ zu überprüfen, PC, Notebook, Tablets und Handys auf Update und Patches zu checken, Browser, Virenscanner und Firewall zu aktualisieren, einen Adware-Cleaner zu installieren, die Webcam auszuschalten oder abzukleben, E-Mail-Adresse mit „HPI Identity Leak Checker“ zu überprüfen oder Router, Netzwerkgeräte, WLAN zu aktualisieren und abzusichern.

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Jürgen Wolf referierte auf Einladung der Reisbacher Schulen