Landschaft und Natur erlebbar machen

Siebte und achte Klassen beschäftigten sich mit dem Thema "Artensterben"

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Reisbach. (mb) Es war ein durchaus sensibles und komplexes Thema, mit dem sich die beiden 7. und 8. Klassen der Maximus-von-Imhof-Mittelschule auseinandersetzten. Unter dem Titel „Artenarmut – arme Arten“ beschäftigten sie sich auf außergewöhnliche und nachhaltige Weise mit dem Artensterben, geleitet und begleitet von zwei unterschiedlichen externen „Lehrern“.

 

Der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Rottal/Inn Rainer Blaschke war am Dienstag vor Ort und wurde dabei von Schauspieler Rowan Blockey vom Theater an der Rott in Eggenfelden begleitet. Ebenfalls vertreten war der Landschaftspflegeverband Dingolfing/Landau mit Mareike Grunz. Auf die Schülerinnen und Schüler wartete zunächst eine packende Inszenierung eines „Ein-Mann-Stückes“ sowie eine Nachbesprechung, organisiert vom Klassenlehrer der 7a Timm Putz. Die Finanzierung übernahm mit der Förderverein. Hinter der Aktion steckt das Projekt des Landschaftspflegeverbandes „Bayerns Ureinwohner“. Das sind die heimischen Tiere und Pflanzen. Alle leben seit Jahrhunderten in den hiesigen Landschaften und sind auf Pflege und Schutz angewiesen.

Art 03Die bayerischen Landschaftspflegeverbände engagieren sich seit 2008 in der bundesweit  einzigartigen Kampagne für den Artenschutz im Freistaat. Mit den ideenreichen Umweltbildungsaktionen machen sie die Landschaften und ihre Naturschätze erlebbar. Heuer steht der „Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling“ im Fokus. Da Dunkle Wiesenknopf-Ameisen-Bläulinge europaweit gefährdet sind und als Schlüsselart betrachtet werden können, werden sie als besonders schützenswerte Art der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgeführt. Zu diesem wie zum Thema Artenschutz allgemein versuchen die Landschaftspflegeverbände Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und gerade heuer hat das Thema große Aktualität aufgrund verschiedener Aktionen wie die „Friedays-for-Future-Bewegung“ oder das Volksbegehren zur Artenvielfalt. Gemeinsam mit dem Theater an der Rott wurde das Stück produziert und inszeniert, ein reines Klassenzimmerstück, das schwerpunktmäßig die Schülerinnen und Schüler der höheren Klassen anspricht. Und dieses Konzept ging auch in Reisbach auf, nachdem die Zuschauer mit großer Aufmerksamkeit verfolgten, wie sie quasi in die Zukunft, genauer ins Jahr 2035, mitgenommen wurden, als ein Regierungsbeauftragter an die Schule kommt und den Kindern verdeutlicht, dass neue Maßnahmen umgesetzt werden müssen, weil so viele Arten ausgestorben sind und die Klimaerwärmung weiter zu nimmt. Keine Fußballplätze mehr oder kein Autofahren, dafür müssen Masken getragen werden.

Art 02Er erzählt ihnen aber auch, was passierte, dass so viele Arten ausgestorben sind und erörtert die Zusammenhänge bis hin zu der Frage, ob denn auch der Mensch, der zum Teil für diese Entwicklung verantwortlich ist, selbst vom Aussterben bedroht ist. Die Geschichte endet negativ. Doch, in der Nachbesprechung erfuhren die Schülerinnen und Schüler, dass sich die realen derzeit Ereignisse noch zum Positiven umwandeln lassen, wenn jeder jetzt aktiv wird. Rainer Blaschke beantwortete die Fragen, die aus der Inszenierung her rührten, wonach es zwischen 1750 und 1800 die größte Artenvielfalt gab. Auch aufgrund der Bewirtschaftung der Kulturlandschaft. So kam unter anderem der Ameisenbläuling in unsere Breiten. Es gibt eine ganz aktuelle Studie der Technischen Universität München, welche die Krefeld-Studie in vollem Umfang bestätigt. 27 Jahre wurden Schutzgebiete untersucht und die Ergebnisse sind erschreckend: Mehr als 75 Prozent weniger Biomasse bei Fluginsekten. Die Insektenwelt, die in Schwierigkeiten steckt, braucht Unterstützung und es geht darum, das Insektensterben zu stoppen. Rainer Blaschke betonte, dass nicht etwa die Landwirtschaft für diese Entwicklung verantwortlich ist, sondern viel mehr die Gesellschaft dahinter stecke.

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Foto: Schauspieler Rowan Blockey nahm die Schüler mit in die Zukunft.