Informationen über die Krankheit der Armut

Vertreter der Lepra- und Tuberkulosehilfe referierte in der Mittelschule

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Reisbach. (mb) Am Donnerstag war Michael Röhm an der Maximus-von-Imhof-Mittelschule zu Gast. Der Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) stellte den sechsten bis neunten Klassen in seinen Ausführungen das Wirken dieser unabhängigen Hilfsorganisation im Allgemeinen sowie im Speziellen von Dr. Ruth Pfau vor. Die Deutsche Ordensfrau leistete Beispielgebendes.

Der Kontakt kam durch den Griesbacher Lothar Eberl zustande. Auf dessen Einladung reiste er von Würzburg in die Gemeinde Reisbach zu mehreren Vorträgen. Lothar Eberl unterstützt schon seit langen Jahren die Arbeit regelmäßig mit Spenden, weil hier viel Präventionsarbeit geleistet wird, aber auch gezielte Hilfe. Dabei sind schon mit geringem Spendenaufwand Erfolge möglich. Er selbst war bei den beiden ersten Spenderreisen persönlich dabei, um einige Projekte vor Ort kennen zu lernen. Nun stellte er die Verbindung zur Schule her.

LeTu19 02Michael Röhm erörterte zunächst die praktische Arbeit am Beispiel Äthiopien in den Bereichen Lepra und TBC sowie Sozialarbeit bis hin zu Bildungsprojekten, die die DAHW unterstützt. Die Bekämpfung der Armutskrankheit Lepra gehörte von Anfang an zu den Schwerpunkten der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. Als „Krankheit der Armut“ spiele die Lepra in reichen Industrieländern eher eine untergeordnete Rolle, die meisten Menschen in Deutschland wissen nicht sehr viel darüber. Die gute Nachricht: Lepra ist heilbar. Dennoch erkranken jedes Jahr zwischen 220.000 und 250.000 Menschen weltweit neu daran, vorwiegend in den tropischen und subtropischen Ländern. Ebenso erschreckend wie diese Zahl sei die Tatsache, dass die soziale Ausgrenzung der Betroffenen selbst im 21. Jahrhundert noch immer zum Alltag gehöre. Denn Lepra zähle zu den „sichtbaren“ Krankheiten.

Wer die medizinischen Hintergründe der Krankheit kenne, könne sich das Ausmaß der sozialen Folgen ansatzweise vorstellen. Mehr als 200.000 Menschen mit leprabedingten Behinderungen betreue die DAHW derzeit. Eine Arbeit, mindestens so wichtig wie die medizinische Therapie, die man ohne Unterstützung vieler Menschen in Deutschland nicht leisten könnte.

Im zweiten Teil ging der Referent auf die Lepraärztin und Ordensfrau Dr. Ruth Pfau und auf ihr beeindruckendes Lebenswerk am Beispielland Pakistan ein. Zähle sie doch zu den Vorbildern, nachdem sie ihr Leben für die Ärmsten in den Dienst stellte. Die Ärztin war über 50 Jahre in Pakistan tätig. Unermüdlich setzte sie sich für Menschen ein - besonders solche, die an Krankheiten der Armut leiden. Mehr als 50.000 Menschen wurden dank ihr von Lepra geheilt. Dies brachte ihr den Namen „Mutter der Leprakranken“ ein. 1979 wurde sie zur Ehrenbürgerin und nationalen Beraterin für Leprafragen im Rang einer Staatssekretärin ernannt. Für ihre aufopfernde Arbeit, auch bei der Nothilfe nach Erdbeben oder Flutkatastrophen, hatte sie zahlreiche Anerkennungen erfahren, darunter den Marion-Dönhoff-Preis, den Klaus-Hemmerle-Preis, den Albert-Schweizer-Preis, den Damian-Dutton-Award, den Ramon-Magsaysay-Award, den pakistanischen Lifetime-Achievement-Award sowie den deutschen Fernsehpreis Bambi als „Stille Heldin“.

Bis zu ihrem Tod machte sie sich immer für Menschenrechte, Völkerverständigung sowie die Achtung aller Religionen stark. Harald Meyer-Porzky, stellvertretender Geschäftsführer der DAHW und Vorstand der Ruth-Pfau-Stiftung betonte: „Ruth Pfau hat Hunderttausenden Menschen ein Leben in Würde ermöglicht.“ Sie verstarb im August 2017 und arbeitete fast bis zu ihrem letzten Atemzug, wobei sie noch wenige Tage vor ihrem Tod die Krankenakten studierte und Ratschläge gab, obwohl sie zwischenzeitlich selbst das Bett nicht mehr verlassen konnte. Abschließend bedankte sich Rektorin Martina Huber für diesen nachhaltigen Vortrag.

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Michael Röhm (Mitte) wurde von Rektorin Martina Huber und Lothar Eberl für dessen Ausführungen gedankt.